Ein Wiener Startup freut sich auf die neuen Möglichkeiten, bei lokalen Eneregie-Gemeinschaften teilzunehmen.

COLLECTIVE ENERGY
Eines von vielen Projekten der COLLECTIVE ENERGY. Die Crowd finanziert eine PV-Anlage.

„95 Prozent der Leute haben keine Ahnung, was eine Kilowattstunde ist und wie viel sie kostet“ sagt Christoph Zinganell, der Geschäftsführer der Wiener 7-Mitarbeiter*innen-Firma COLLECTIVE ENERGY. Er möchte das ändern, weil „die elektrische Energie uns permanent umgibt, wir benützen sie andauern, ohne Strom geht gar nichts mehr. Doch während die Menschen an der Tankstelle den Benzinpreis bis auf die Zehntelstelle benennen können, ist bei der Kilowattstunde Finsternis“ (Zinganell).

Gemeinsam in Photovoltaik investieren
Zinganell sieht sich selbst mit seinem Team als „Begleiter“. Sozusagen als Begleiter für Menschen, die sich dem Klimawandel stellen, entgegenstellen. Sein bisheriges Geschäftsmodell sah so aus: Er suchte sich Gastwirte, Vereine oder Gemeinden, die Dächer für Photovoltaik-Module haben – aber nicht selbst investieren wollten oder konnten. Dann finanzierte er mittels Crowd Funding die Anlage – mehrere Privatpersonen, die oft selbst keine Möglichkeit für die Installation einer PV-Anlage haben, beteiligen sich und zahlen zum Beispiel 500 Euro ein.

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Das CELLECTIVE ENERGY-Team möchte viel zur Energiewende beitragen – und tut es auch. Foto: COLLECTIVE ENERGY

Die Rechnung sieht dann so aus: Der Gastwirt zahlt diese 500 Euro plus 100 Euro Verzinsung über eine Laufzeit von einigen Jahren mittels Gutscheinen für die Konsumation von Speis und Trank zurück.

So weit so gut und mittlerweile auch so erfolgreich.

Bald auch Strom von der Gemeinschaft
Doch jetzt wird es noch interessanter. Zinganell: „Durch die neue Möglichkeit der Erneuerbaren Energie-Gemeinschaften, die das EAG1) definiert, können die Investoren einfach ihren Strom bekommen“. Wie funtkioniert das? Die Photovoltaik-Anlage ist ja vielleicht 10 Kilometer entfernt? „Hier bedienen wir uns des coolen Systems der eFriends“ sagt der collective energy-Chef. Die „eFriends“ sind ein anderes Startup, das im Weinviertler Nappersdorf angesiedelt ist und die für Energiegemeinschaften so notwendige elektronische Infrastruktur bereithält.

Lokale und dezentrale Produktion und Konsumation
Investoren und Investorinnen bekommen einen kleinen Stromzähler installiert und können so an der Energie-Gemeinschaft des Gastwirtes teilnehmen. Und der Gastwirt zahlt mit Strom: Die von seiner PV-Anlage erzeugte Energie teilt er mit seinen Investoren. Christoph Zinganell: „Damit machen wir die Energieproduktion und den Verbrauch einerseits lokal und andererseits dezentral“. Derartige Energiegemeinschaften können nun landauf, landab entstehen.

Tarif-Klarheit im Herbst
Was noch fehlt ist der Durchleitungstarif der Netze: Voraussichtlich wird für die (vom Staat erwünschten) Energiegemeinschaften ein günstigerer Netztarif verordnet, man spricht von zwei Drittel Ersparnis. Dies jedenfalls in der höchsten Netzebene 7, vielleicht aber auch in den darüber liegenden Ebenen 5 und 6.2) Wahrscheinlich erfolgt diese Verordnung seitens des Infrastruktur-Ministeriums im kommenden Herbst.

Hier geht es zu COLLECTIVE ENERGY.
Das ist die Website der eFriends.

(hst)

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Anmerkungen:

1) Das EAG ist das Erneuerbare Ausbau-Gesetz, das in Österreich noch knapp vor der Sommerpause im Parlament beschlossen wurde. Nun fehlen noch einige dazugehörenden Verordnungen, dann sind zum Beispiel Energie-Gemeinschaften in vollem Umfang möglich.

2) Das Stromnetz in Österreich, Deutschland und der Schweitz ist in Netzebenen unterteilt: 
Ebene 1: Höchstspannungsnetz mit 380/220 kV, einschließlich 380-/220-kV-Umspannung
Ebene 2: Umspannung zwischen Höchst- und Hochspannungsebene
Ebene 3: Hochspannungsnetz mit 110 kV
Ebene 4: Umspannung zwischen Hoch- und Mittelspannung
Ebene 5: Mittelspannungsnetz bis üblicherweise 10 bis 35 kV
Ebene 6: Umspannung zwischen Mittel- und Niederspannung
Ebene 7: Niederspannungsnetz mit üblicherweise 400 V (also das Netz der privaten Endverbraucher)

 

 

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