Die neuen Energie-Gemeinschaften, von der EU vorgegeben und von den Ländern gerade rechtlich zu verabschieden, bergen eine Reihe von Unklarheiten.

Wärmebild
Vieles ist an den Energie-Gemeinschaften so unklar wie manch ein Wärmebild. Foto: sentiero/starmühler

Die beiden Wortungetüme müssen erst noch mit Leben erfüllt werden: Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) und Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) sind laut „Clean Energy Package“ der EU vorgesehen, doch wie sie funktionieren sollen, ist derzeit (Stand Januar 2021) weitgehend unklar. Herbert Starmühler (energie-bau.com)  hat den Energie-Fachmann Jürgen Neubarth (e3 consult) befragt. Hier die Ergebnisse des Gesprächs zusammengefasst:

Abgrenzung des Wirkungsbereiches:
Im Entwurf zum österreichischen Erneuerbaren Ausbau-Gesetz (EAG) wurden die Netzebenen 7 bis 5 definiert. Das wäre für die E-Gemeinschaften vorteilhaft, weil nicht nur wenige benachbarte Häuser (Netzebene 7, bis zum Ortstrafo) profitieren könnten, sondern auch Wasser oder ev. Windkraftproduzenten, die Strom über die Mittelspannungsebene 5 einspeisen. Der Wirkungsbereich erweitert sich. Doch dies haben größere Netzbetreiber in ihren Stellungnahmen vehement abgelehnt („zu kompliziert“, „zu teuer im Handling“, „bedrohlich für das Netz“ u.a.).

efriends StromMesser HS
Praktisch Echtzeitanzeige des Gemeinschafts-Anbieters efriends.at: links ein Haus, das gerade Strom erzeugt, rechts ein eFriend, der den Strom gut gebrauchen kann. Die beiden sind verbunden. Foto: sentiero/starmühler

  • Auch interessant: efriends-Sprecherin im Interview.

Ortstarif – oder doch nicht?

Die Energiegemeinschaften sollten den Vorteil haben, untereinander den Strom in einem Ortstarif tauschen und handeln zu können – das wäre eigentlich der einzige nennenswerte Einsparungsbereich. Wenn also die einen Überschuss-Strom haben und die anderen ihn abnehmen und die Netzbenützung nichts oder weniger kostet als bei herkömmlichem Strombezug (bzw. Einspeisung). Doch um diesen Tarif wird noch gerungen.

Energie Gemeinschaften Überblick 2020

Darstellung der beiden Varianten der neuen Energie-Gemeinschaften.

Marktprämie gegen Gemeinschaften
Ein Hindernis für die Verbreitung der E-Gemeinschaften könnte sein/bleiben, dass tarifgeförderte Anlagen (bisher „Oemag-Tarif“ in Zukunft „Marktprämie“) keine Berechtigung für die Teilnahme an BEG oder EEG haben. Wenn das so bleibt, dann würden die Betreiber große Anlagen, für die die Tarifförderung essentiell ist, sicher nicht in eine E-Gemeinschaft inkludieren.

Finanzielle Nachteile für First Mover vermeiden
Zwar dürfen Bürgerenergie- als auch Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften grundsätzlich nicht gewinnorientiert sein. Trotzdem sollte sichergestellt werden, dass gerade bei den ersten Pilotprojekten bzw. am Beginn einer möglichen breiteren Etablierung von Energiegemeinschaften keine finanziellen Nachteile für „First Mover“ entstehen.

Eigenverbrauch ist weiterhin entscheidend
Wie immer man es dreht und wendet – ohne finanzielle Verbesserung werden Bürger und Bürgerinnen nicht dem (durchaus ein wenig bürokratisch anmutendem) System Energiegemeinschaft nahetreten wollen. Doch genau das ist das Ziel der EU und engeblich auch der Umweltministerien in Deutschland und Österreich. So wie es aussieht wird der Eigenverbrauchsanteil weiterhin eine entscheidende Rolle spielen: Wer den Strom im eigenen Haus/Objekt verbraucht, braucht nämlich jedenfalls weiterhin keine Netzgebühren oder Steuern bezahlen. Bei jeglicher Gemeinschaft fallen Leitungskosten und eben auch Gebühren und Steuern an. Man weiß nur noch nicht, wie hoch diese sein werden.

Kommentar Herbert Starmühler (energie-bau.com):
Mit dem EAG werden also in Österreich die Weichen nicht nur für die Förderungen der einzelnen Energie-Sparten neu verteilt (wobei sich in manchen Bereichen nur die Nomenklatur ändert – die Wasserkraft soll ohne Ausschreibung weiterhin einen festgelegte, nun „Marktprämie“ genannte Einspeisvergütung bekommen, die Windkraft laut Entwurf auch noch bis 2024 beim alten System bleiben). Auch das Funktionieren der Energie-Gemeinschaften hängt davon ab. Ohne Vorteile, vor allem finanzieller Natur, werden sich kaum Gemeinden und private Netzwerke die Mühe der Bürokratie antun, die eine solche Gemeinschaft mit sich bringt.

(hst)

 

 

Kommentar schreiben

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.